Geschäftsidee Weltraum

Sind Weltraumexpeditionen das nächste große Ding? Markteinführungskosten sinken, die Technologie macht Riesenfortschritte und trotz der Pandemie suchen private wie staatliche Unternehmen schon nach neuen Grenzen, die bezwungen werden wollen. Bereit für den nächsten Coup?

Wer denkt, dass Weltraummissionen nur etwas für die NASA und ihre diversen Länder-Kollegen sind?

Der wird aktuell eines Besseren belehrt. Weltweit entwickeln sich Weltraumexpeditionen gerade zu einer der lukrativsten Branchen. Lag der Wert dieses Industriezweigs 2018 noch bei 360 Milliarden US-Dollar, geht man mittlerweile von einer jährlichen Gesamtwachstumsrate von 5,6 Prozent aus, sodass bis 2026 ein Gesamtwert von 558 Milliarden erreicht sein dürfte. Bei einer Wachstumsrate diesen Ausmaßes, könnten die Umsätze der weltweiten Raumfahrtindustrie bis 2040 auf mehr als 1 Billion US-Dollar steigen.

Neben den Forschungsmissionen internationaler Weltraumagenturen gibt es viele neue Unternehmen, die im All enormen Profit machen wollen. Diese schießen Satelliten in den Orbit und ermöglichen auf diese Weise unterschiedliche Services und Angebote. Angeführt werden sie von SpaceX, dem Unternehmen von Elon Musk, das immer neue Meilensteine im Rennen um die Vorherrschaft im Weltraum setzt. Die erste bemannte Mission ist bereits gestartet: Ein Testflug namens Demo-2, mit dem die NASA-Astronauten Bob Behnken und Doug Hurley in der Raumkapsel Crew Dragon zur Internationalen Raumstation ISS geflogen wurden. Dieses Ereignis macht deutlich, welche Innovationen in den letzten Jahren entwickelt wurden, um die mit der Raumfahrt verbundenen Kosten zu reduzieren, indem man zum Beispiel Teile von Raumschiffen mehrmals wiederverwendet. Die beiden Raketenantriebe kehrten selbstständig zurück zur Erde, landeten auf einer Offshore-Plattform und die Insassen der Kapsel wurden von einem Rettungsschiff mitten im Ozean aufgesammelt.

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Abbildung 1: Der Raketenantrieb der Raumkapsel Crew Dragon von SpaceX landet auf der Plattform „Of Course I Still Love You“

Unglaubliche Entwicklungen!

Wie bereits erwähnt, führt SpaceX eine ganze Gruppe kleiner und mittelständischer Unternehmen an, die sich ein Rennen um die Entwicklung der schnellsten und effizientesten Form des Reisens im Weltraum liefern. Dazu gehören ULA, ein Joint Venture, das kürzlich einen mehrjährigen Vertrag mit der US Space Force abschließen konnte, und die lang erwartete Weltrauminitiative von Jeff Bezos, Blue Origin, die bereits Tests mit einer wiederverwendbaren Rakete New Shepard gestartet hat.
Verschiedene andere Unternehmen arbeiten derzeit an kleineren Trägerraketen: Firefly wird in Kürze mit Static-Fire-Tests der ersten Phase seiner Alpha-Rakete beginnen. Mit einem ersten Start wird noch in diesem Jahr gerechnet. Andere Unternehmen wie ABL Space Systems, Relativity und Rocket-Lab machen zumindest Fortschritte auf dem Weg zu einem ersten Start, während sich ansonsten unter den Dutzenden von Firmen, die entsprechende Pläne bekanntgegeben hatten, die Reihen langsam lichten. All diese Unternehmen entwickeln innovative Wege, die Kosten für Weltraumstarts zu senken, um anschließend in profitabler Weise anderen Unternehmen ihre Infrastruktur für deren Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Es werden aber auch andere Lösungen erarbeitet, zum Beispiel die Rakete LauncherOne von Virgin Orbit, die mit einer umgerüsteten Boeing 747 ins All gebracht wird, oder der unglaubliche Weltraumschleuder-Prototyp von SpinLaunch.

Und was befördern all diese Unternehmen ins All?

Satelliten, oder vielmehr ganze Sternbilder von Satelliten. Firmen wie Starlink – schon wieder Elon Musk – und OneWeb platzieren Tausende von Satelliten in Kühlschrankgröße in die untere Erdumlaufbahn, um auf diese Weise Breitbandverbindungen mit niedriger Latenz für militärische, wissenschaftliche oder Forschungszwecke anzubieten. Andere Nanosatelliten, wie die von Astrocast und Hiber, sind auf den Aufbau eines globalen IoT-Netzwerks für vernetzte Fahrzeuge und viele andere Branchen, darunter Schifffahrt, Bergbau, Öl und Gas sowie Landwirtschaft, ausgerichtet. Wenn man vom Schreibtisch aus ein globales Satellitennetzwerk steuern kann, wie es das italienische Start-up D-Orbit anbietet, ist selbst der Himmel keine Grenze mehr. Und wenn Sie sich Sorgen um den ganzen Weltraummüll machen, der von all diesen Objekten verursacht wird, die da über unseren Köpfen umherfliegen: Clearspace arbeitet schon an einer Nachhaltigkeitslösung für die Eroberung des Weltalls.

Wenn man vom Schreibtisch aus ein globales Satellitennetzwerk steuern kann, schränkt einen nicht einmal mehr der Himmel ein.

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Klingt alles sehr vielversprechend!

Ist es auch, und gleichzeitig ist all das erst der Anfang. Wenn kleinere Satelliten günstiger in die Erdumlaufbahn kommen, können ganze Herden von Satelliten für spezifische Zwecke entwickelt werden. Wir haben gerade erst begonnen, die unterschiedlichsten Möglichkeiten der Satellitennutzung in den verschiedenen Industriezweigen auszuloten, beispielsweise für die Logistik, Seepatrouillen, das Notfallmanagement, Verteidigungsanwendungen, die Landwirtschaft, die Landnutzung und vieles andere.
Elektrooptische SAR- (Synthetic-Aperture Radar) und Radiofrequenzdaten werden mit Informationen von Sensoren in der Luft und am Boden sowie Social Network Feeds kombiniert, um neue Datenprodukte für die Kunden zu schaffen. In den 2010er-Jahren haben die Unternehmen bewiesen, dass sie Daten mit immer höherer Frequenz und räumlicher Auflösung erfassen können. Das Losungswort der 2020er wird die "Datenfusion" sein. Sie wird zur Norm für die Erdbeobachtung. Kennen Sie schon What3Words?

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Abbildung 2: Eine ganze Landschaft aus Business Services, Geschäftsmodellen und -segmenten rund um den Weltraum
Quelle: „The Future Of the European Space Sector“.

Und wie sieht es jetzt mit Urlaub auf dem Mars aus?

Es stimmt. Seit Jahren warten wir auf den offiziellen Start von Weltraumreisen. Wenn Ihnen für den Anfang ein Ausflug in die untere Erdumlaufbahn reicht, ist der Virgin Galactic Spaceport bereit dafür. Das Unternehmen von Richard Branson hat kürzlich den ersten Testflug abgeschlossen.
Das große Problem sind immer noch die Kosten. Bisher haben erst acht Touristen die Reise ins All angetreten, zum Preis von 20 bis 40 Millionen US-Dollar pro Flug. Durch wiederverwendbare Raketen und effizientere Transportlösungen könnten sich diese Kosten jedoch bald erheblich reduzieren, sodass Virgin Galactic in Zukunft Tickets zum Spottpreis von 250.000 US-Dollar anbieten könnte. Sie sind also nur noch ein paar Klicks – und ein paar Scheinchen – von Ihrer Reise in die untere Erdumlaufbahn entfernt. Wenn Sie etwas abenteuerlustiger sind, ist vielleicht das Projekt DearMoon das Richtige für Sie: Bis zu sechs berühmte Künstler sollen ausgewählt werden, um 2023 mit dem japanischen Mäzen Yusaku Maezawa auf dem ersten Flug des SpaceX Starship zum Mond zu reisen.

Natürlich ist das noch eine ganze Weile hin. Gibt es auch etwas, das ich jetzt schon tun kann?

Sicher 😀 Über den Software-Katalog der NASA haben Sie Zugriff auf 253 Open-Source Software-Projekte der Behörde. Setzen Sie ein Bookmark auf RocketWatch und Sie bleiben über die zunehmende Anzahl an neuen Weltraumevents auf dem Laufenden – einschließlich der anstehenden Landung der Rover- und Helikopter(!)-Mission Mars 2020 auf dem roten Planeten, der Rückkehr des Projekts NASA Artemis zum Mond und der unglaublichen DART-Mission zur Umlenkung eines Asteroiden.

Wird ein Asteroid auf die Erde treffen?

Ja. Auf Asterank, können Sie sich schon mal einen aussuchen und sich dann auf eine zukünftige Weltraum-Bergbaumission vorbereiten. Wussten Sie, dass ein einziger Asteroid allein aufgrund seines Materials und der enthaltenen Ressourcen 27 Trillionen Dollar wert ist?

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Abbildung 3: Wer ist bereit für den Asteroidenbergbau?

Diese Idee kommt Ihnen noch etwas merkwürdig vor?

Dann tasten Sie sich doch einfach langsam heran: Mit einer ganz besonderen Masterclass mit dem ehemaligen Astronauten Chris Hadfield oder über die Website von SpaceX, wo Sie üben können, Ihr Raumschiff an der ISS anzudocken. Und dann bleibt Ihnen ja auch noch die Möglichkeit, uns über Reply R20 zu folgen.